Tricks als Spieler, Sensation als Coach
Fußball Dieter Winter gelingt vor 19000 Zuschauern "nahezu alles". Als einziger VfL-Trainer ungeschlagen.

Ein Bericht von Jens Neumann (regios24)
Dieter-Winter (rechts) Walter Frosch (links) 1976 Dieter-Winter (rechts) gegen Bochum
Foto links: Auch im Schnee ging es zur Sache: In dieser Partie im Januar 1980 bezwang Dieter Winter (rechts) mit dem VfL Wolfsburg den FC St. Pauli um Walter Frosch(links mit 1:0.

Foto rechts: Volle Hütte am Elsterweg am 20. Juni 1976: Heimspiel für die „Wölfe“ um Dieter Winter (recht) das sie mit 2:0 gegen Bonn gewann.

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Raus aus der zweiten Reihe - rein ins Rampenlicht: Dieter Winter war ein gefragter Mann an jenem 13. Februar 1993 in Freiburg im Breisgau. Und er genoss diesen einmaligen Moment in vollen Zügen - kein Wunder, denn es war sein persönliches Highlight als Fußball-Trainer.
"Ich bin der einzige VfL-Trainer, der ungeschlagen ist", sagt "Pimpel" Winter schmunzelnd. Mehr noch: Er gewann sein einziges Spiel als Cheftrainer in der 2. Bundesliga - und das ganz nebenbei noch beim damaligen Spitzenreiter und späteren souveränen Meister SC Freiburg. Winter führte die "Wölfe" zu einem sensationellen 3:1-Erfolg.
"Freiburg war Erster, wir standen mit dem Rücken zur Wand. Und dann gelingt uns da so ein Überraschungscoup", erinnert sich Winter noch heute nur zu gerne zurück an sein (Trainer)-Spiel des Lebens. Zumal es auch das erste Mal war, dass ein Zweitliga-Spiel des VfL live im TV übertragen wurde.
Den Fußball im Blick - als Spieler und Trainer.Dieter WinterVier Tage zuvor hatten die Grün-Weißen sich nach der 1:2-Heimniederlage gegen die Stuttgarter Kickers und dem Absturz auf Platz 19 von Coach Uwe Erkenbrecher getrennt - und Winter für eine Woche zum Chef befördert. Und der bisherige "Co" musste seine Feuertaufe ausgerechnet beim "Überflieger" bestehen.
Zunächst sah alles danach aus, als sollte es die erwartete Niederlage für die Wolfsburger geben. Oliver Freund brachte die Freiburger am 27. Spieltag - es war die Mammutsaison mit 46 Spieltagen und 7 Absteigern - in der 27. Minute in Führung. Doch Winter durfte sich diesmal auf den VfL-Knipser vom Dienst verlassen: Siegfried "Siggi" Reich glich noch vor der Pause (33.) aus und erzielte auch die beiden weiteren Wolfsburger Treffer nach dem Seitenwechsel (73., 89.). "Er war in überragender Form - einfach klasse", betont Winter.
Nach dem Abpfiff wurde es richtig stressig für den Interimscoach. "Ich wurde von einem Interview zum nächsten geschickt. Mir wurde ganz schön heiß vor der Kamera", sagt Winter - und das mitten im Februar. "Ich war froh, als ich dann im Mannschaftsbus saß und erst einmal ein anständiges Bier trinken konnte." Das Siegerbier, es schmeckt bekanntlich besonders gut.
Nach einer Woche ging die Cheftrainer-Ära von Winter wieder zu Ende, Eckhard Krautzun kam - und "Pimpel" kehrte als "Co" zurück ins zweite Glied. Und dieses Duo beendete die Saison 1992/93 mit dem VfL auf Platz 14 und schaffte damit den Klassenerhalt. "Ich habe noch anderthalb Jahre mit Eckhard Krautzun zusammengearbeitet. Doch es wurde eben immer professioneller", sagt der heute 60 Jahre alte Coach des Fußball-Kreisligisten MTV Gamsen, der inzwischen seit rund 25 Jahren im Trainergeschäft ist.
Sein Spiel des Lebens als Fußballer erlebte der gebürtige Berliner ebenfalls im Dress des VfL Wolfsburg - allerdings schon 19 Jahre früher. Vor der Saison 1974/75 war Winter von Hertha Zehlendorf an den Elsterweg gewechselt - und brachte seinen Spitznamen "Pimpel" gleich mit. "Ich war ja nie der Größte. Und da hat mich in Berlin ein Zuschauer bei einem Freundschaftsspiel in der D-Jugend immer ,Pimpel' gerufen - und so ist das dann bis heute geblieben", erzählt er lachend.
Unter Trainer Imre Farkasinszky war den "Wölfen" der Zweitliga-Aufstieg gelungen, und mit Winter kam ein hoffnungsvoller Außenstürmer aus Zehlendorf - 1970 war er mit der A-Jugend der Hertha deutscher Meister geworden. Schon am fünften Spieltag der damaligen 2. Bundesliga Nord machte Winter das Spiel seines Lebens - beim 1:1 auf der Bielefelder Alm, vor 19 000 Zuschauern.
Dieter Winter (rechts) als Coach mit dem damaligen Spieler Frank Plagge.Auch wenn ihm dort ein Torerfolg verwehrt blieb - in insgesamt 56 Zweitliga-Einsätzen kam Winter auf 8 Treffer -, sagt er stolz: "Es war ein sensationelles Spiel von mir. Ich habe Stürmer gespielt, habe getrickst - mir ist nahezu alles gelungen", erklärt Winter, der mit Jürgen Gelsdorf einen prominenten Gegenspieler hatte. Und auch an eine Szene erinnert er sich noch ganz genau: "Ich habe den Ball am eigenen Strafraum bekommen, bin mit dem Ball über den ganzen Platz gerannt - doch beim Abschluss hat mir dann die Kraft gefehlt", so Winter. "Beifall habe ich trotzdem bekommen."
Und es gebe noch so viele Geschichten, von denen "Pimpel" erzählen könnte - nach sieben Fußballerjahren beim VfL Wolfsburg, fünf Jahren in der Amateur-Oberliga beim MTV Gifhorn. Zumal er ja auch fast jede Position gespielt hat. "Nur nie im Tor. Da hätte man mich nicht gebrauchen können?" Dafür war der "Pimpel" eben zu klein."Einziger VfL-Trainer, der ungeschlagen ist": Dieter Winter (rechts) als Coach mit dem damaligen Spieler Frank Plagge.

SPIEL DES LEBENS

Dieter-Winter Coach vom MTV Gamsen
Es sind Geschichten, die der Sport schrieb. Geschichten an die sich die “Hauptdarsteller“ nur allzu gerne zurückerinnern. Geschichten die unsere Sportler noch in vielen Jahren erzählen, wenn über ihr Spiel des Lebens, ihren Kampf des Lebens, ihr Rennen der Lebensberichte. Es sin Geschichtenüber außergewöhnliche Leistungen. Leistungen wie die von Dieter Winter, dem heutigen Trainer des Fußballkreisligisten MTV Gamsen, der als Aktiver für den VfL Wolfsburg durch die 2. Bundesliga wirbelte und sein einziges Spiel als Chefcoach der „Wölfe“ im deutschen Fußball-Unterhaus gewann. Alle zwei Wochen werden mittwochs mit einem Sportler aus dem Kreis Gifhorn einen Ausflug in die Vergangenheit unternehmen und ihn seine ganz persönliche Geschichte erzählen lassen.

Quelle: regios24 – Jens Neumann
Foto: regios24/ Sebastian Priebe
Foto: 4x privat
Eingefügt: (hb)